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Tour de France 1903

... mit dem GoldRush-Singlespeeder


Auch wenn dieses Kunstwerk, in meinen Augen, schlicht weg eine Foltermaschine dar stellt, so war es für mich dennoch ein unbeschreibliches Erlebniss mit dem GoldRush die komplette Tour de France von 1903 gefahren zu sein.  


Gute Steckenabschnitte konnten mit dem GoldRush sogar beflogen werden:

Weitere Bilder sind im Fotoalbum zur Tour zu finden. Das Album wird natürlich noch um einige Bilder erweitert.


Ein kleiner Vorgeschmack auf die Schnelle zum (noch kommenden) ausführlichen Bericht:


Tag 1: 100km, einfahren

Tag 2: 200km, warm up 1

Tag 3: 200km, warm up 2

Tag 4: ?km, schaun wir mal

Tag 5: 140km, Sightseeingtour

Tag 6: 220km, Mann ist das lang!

Tag 7: 220km, könnten es nicht wenigstens 20 Kilometer weniger sein?

Tag 8: 220km, ich kann keinen Wein mehr sehn, könnte ich nachher bitte ein kühles Bier bekommen?

Tag 9: 220km, Hey Stoph, sind wir nicht vorgestern schon mal hier vorbei ...

Tag10: 220km, Bordeaux? Bordeaux? Da war doch was. Ok, noch einmal Wein.

Tag 11: 220km, Stoph was sagt Dein Tacho, wie viele Kilometer noch?

Tag 12: 220km, mit tut sowas von der Nacken, der Rücken ...

Tag 13: 220km, hör mal, warum regnet es eigentlich seit fast zwei Wochen?


Tag 14:

Nach dem Campen in Guitres geht es bei bewölktem Himmel und angenehmen Temperaturen weiter. Doch ab Mittag wird es tierisch heiss.


Heute, am Nationalfeiertag, habe ich eigentlich etwas mehr Stimmung im Land erwartet. Im Gegenteil - überall war es den ganzen Tag über wie ausgestorben. Falls sich doch jemand in der Hitze blicken ließ, überfielen wir ihn sofort mit der Frage nach Wasser. Nach 161km kam ich mir sprichwörtlich vor wie ein gebratenes Hähnchen.


Die Anstrengungen des heutigen Tages verdrängen meinen Appetit. Abendessen für mich = nein Danke.


Durch die extreme Sitzposition auf dem GoldRush sterben, durch den Druck auf die Nervenbahnen der Hände, die Finger nach und nach, erst der kleine Finger dann der Ringfinger ab. Eine Tasse Kaffee lässt sich zur Zeit nur noch mit links anheben. Eine Massage für den Nacken wäre auch mehr als überfällig. Wenn ich mich nach Christoph umschaue, so geht das nur noch über die linke Schulter.


Aber, genug geheult. Schliesslich haben wir es ja so gewollt. Jeder Meter geht in Richtung Paris. Wir sind heute 200 Kilometer im Plus.



Tag 15:

Es geht direkt sehr heiß los. Das Spiel mit der Jagd auf Wasser beginnt von vorne. Wenn seit drei vergangenen Dörfern kein Mensch zu sehen war, so gingen wir in Kneipen und machten die Erkenntnis, dass das eiskalte Wasser aus dem Zapfhähnen noch erfrischender ist.


Auch am Sonntag ist es auf den Strassen irgendwie wie ausgestorben.


Wir haben heute Rückenwind mit bestimmt 30km/h. Es läuft auf den ersten 50 Kilometern sehr gut und wir ziehen diese auf einen Schlag durch. Nach einer großen Pause in Collon, werden wir schnell wieder in die Realität zurückgeholt.


Die geleistete Arbeit der vergangenen Tage hinterlässt Spuren und der restliche Tagesverlauf bleibt trotz Rückenwind anstrengend.


Wir kommen in L.Absie an. Den Punkt den wir auf der Karte heute mindestens erreichen wollten. Aber es treibt uns weiter. Wir wissen, dass wir Kilometer fressen müssen um es bis Mittwoch zu schaffen.


Wir kommen in Bressuire an und das ist der Punkt den wir uns gestern gewünscht haben zu erreichen. Wir sind aber beide zufrieden. Wir liegen nur noch ca. 360km vor Paris und haben noch satte 3 Tage Zeit um im Zeitfenster von 18 Tagen zu bleiben. Dennoch wissen wir, aus den letzten Tagen, dass sich die Umstände auch sehr schnell ändern können. Schlechtes Wetter mit Gegenwind, Defekte, zeitraubendes Verfahren …


Ich vergaß mir heute Morgen den Rücken mit Sonnencreme einzuschmieren. Nur mit Trägerhose unterm Rucksack unterwegs zu sein und sich abends über einen fetten Sonnenbrand wundern geht gar nicht.


Wir sind auf einem Campingplatz und werden diese Nacht unter freiem Himmel verbringen. Das Wetter soll erst morgen schlechter werden. Bewölkt wäre toll, mit niedrigeren Temperaturen und dabei den Wind von heute im Nacken... Wunschdenken halt!


Ich habe die Thermorest Luftmatratze von Mila. Prolite 3 heisst das Model und meinen Deuter Schlafsack Model Plus one ist mit 950gr. genauso ein Leichtgewicht wie diese Matratze. Ich bin sehr froh diese Teile dabei zu haben genauso wie der langbewährte Transalp Rucksack. Gut funktionierende Parts machen die Sache irgendwie erträglicher.


Einen großen Schluck Rotwein habe ich noch in meinem bleischweren Surly Flachmann. Nicole hatte ihn mir vor ihrer Abreise vor 3 Tagen gefüllt. Heute wird der wohl leer gehen aber es beruhigt das Gemüt ungemein.


Wind kommt auf. Hoffentlich regnet es nicht diese Nacht. Nebenan steht ein großer Wohnwagen da passen wir beide zur Not noch locker drunter.


Es gibt hier leider nichts zu essen und noch mal in die Stadt zu fahren, dazu hat keiner mehr bock. Ich hole einen von meinen Powerbars und wir teilen gerecht nach Körpergwicht. Ich habe dabei ganz offensichtlich den kürzern gezogen.


Die Stimmung passt sich irgendwie der vollbrachten Leistung an. Beide sind zufrieden. Aber es zehrt halt.


Es wird merklich kühler. Ich ziehe den dicken Fliesspulli an und Christoph entdeckt ein kleines Vordach zu dem wir umziehen werden. Wir ahnen schon irgendwie, dass es wohl möglich eine ungemütliche Nacht geben wird …



Tag 16:

Die Nacht war die schlechteste von allen. Ein Gewitter hat uns, mit seinem lauten Getöse, bis in die Morgenstunden um unseren verdienten Schlaf gebracht.Ich glaube, ich habe auf dieser Steinterrasse gar nicht geschlafen. - Die Mücken nutzten jede Möglichkeit um Fitfuckerblood zu saugen und so schaute nur noch die Nasenspitze aus meinem Schlafsack heraus.


Um 8:30Uhr sind wir dann wieder los. Die erstbeste Bäckerei, einem Kaffee und zwei Chococroissants weiter machten wir uns auf den Weg. Kühl ist es geworden und es regnet leicht.


Die ersten 30 Kilometer nach Thauars liefen gut aber es regnete sich leider ein, so dass schon bald die Regenjacken hervor geholt werden mussten.


Die Schnellstrasse über Montreuil nach Saumur ist stark frequentiert. Der starke Gegenwind und die vorbei rauschenden 38 Tonner fordern volle Konzentration. Es gibt quasi keine Möglichkeit an die Trinkflasche zu gelangen, denn durch die Windverwirbelungen kommt sehr viel Unruhe ins Rad. Wenn ich falle, so sage ich mir, muss ich unbedingt nach rechts stürzen.


Der Regen nimmt leider zu und wir kommen durchnässt in Saumur an.


Es ist 14:00 Uhr und die ersten 60km liegen hinter uns. Ein einladenes Caffee gibt Gelegenheit zum aufwärmen.


Wir wollen heute 110km schaffen. Der Gedanke nach einem guten Essen und einem Hotel und richtigem Bett treiben uns voran.


In meinen Händen ist irgendwie kaum noch Gefühl, ich bekomme den kleinen Schiebschalter an meiner Digicam nicht mehr auf off geschoben. Zu sehr drückt das zusätzliche Gewicht des Rucksacks.


Der Regen nimmt noch zu und entwickelt sich zu einem Gewitter. Blitze schiessen vom Himmel und wir brauchen die komplette Regenmontur. Ich bin froh, außer den schicken Lederhandschuhen noch die Wasserdichten und daher trockenen Gore-Tex Winterhandschuhe dabei zu haben.


Es ist grau in grau. Wir fahren auf der viel befahrenen Landstrasse so weit rechts wie irgend möglich mit der Gewissheit, dass uns der ein oder andere motorisierte Zeitgenosse erst sehr spät bemerkt. Die kleinen roten Rücklichter am Rucksack geben nicht wirklich ein sichereres Gefühl. Bis zu 5cm steht das Wasser auf dem Teer und wir fahren immer weiter auf den endlos erscheinenden Strassen...


Bis nach Le Lude - vom Wasser völlig aufgeweicht - spült uns unsere heutige Fahrt. Es ist noch früh und das Muffensausen auf der Schnellstrasse ließ uns noch schneller trampeln als sonst. 136km stehen bereits um 18:00 Uhr auf dem Tageszähler.


Wir beschließen nach gestriger Nacht, dem mageren Essen und den regenreichen letzten Stunden, ein Hotel zu suchen um die Klamotten zu trocknen, richtig gut zu essen und früh in einem richtigen Bett schlafen zu gehen.


Wie das Schicksal so spielt, kommt beim einchecken im Hotel die Sonne heraus und ich komme mir etwas verarscht vor. Im nächsten Augeblick bin ich aber sehr froh darüber. Wir müssen immer hin noch 2 Tage und da wäre gutes Wetter schon angenehmer...



Tag 17:

Nach erholsamer Nacht auf einer unglaublich bequemen Matratze (wenn ich gekonnt hätte, ich hätte sie irgendwie mitgenommen) packten wir unsere, bis auf die Schuhe, getrockneten Sachen erst unüblicherweise nach dem doch sehr überschaubaren Frühstück.


Das Wetter hätte besser nicht sein können. Ca. 26 Grad und Rückenwind aus Südwest. Ideale Vorraussetzungen um heute einiges an Kilometern zu vernichten. Die Strassen waren im Gegensatz zu gestern weniger stark befahren. Diese ganzen positiven Faktoren gab eine Menge Motivation mit in den Tag.


Die D921 sollte heute für 90% unsere einzige Strasse sein. Die beste Gelegenheit, dass jeder sein eigenes Tempo fährt und somit seine Kräfte bestmöglichst aufteilt. Wir machten uns in Abständen von 20 Kilometer kleine Dörfer als Treffpunkt aus, an denen wir uns an den Ortseingangschilder trafen. In der Zeit konnte ich die weiteren Wegpunkte in das Navi eingeben und Entfernungen bestimmen.


Es lief quasi nonstop wie am Schnürchen und in Bailleau-Le-Pin (ca. 150km spät am Tag) fing ich an zu rechnen: 2.215km + 151 = 2.366km. Fehlen also noch 39km bis zur angepeilten Gesamtstrecke von 2.405km.


Obwohl es schon spät am Tag war und die Tagesleistung mehr als erbracht schien, beschlossen wir bis zum 40 Kilometer entfernten Maintenau weiter zu fahren und nach einem langen arbeitsreichen Tag erreichten wir nach 191km um 20:45 Uhr die Distanz von 2.405km.


Die Kilometer unter 18 Tagen zu schaffen ist gelungen. Wir befinden uns noch ca. 70km von dem eigentlichen Zielpunkt der damaligen TDF entfernt. Egal wir brauchen kleine Erfolge.


Wir übernachten in einem urigen Hotel.


Morgen werden wir gut ausgeruht die letzten Kilometer nach Paris ausrollen und schätzungsweise schon um 14:00 Uhr das Stadion Parc des Princes erreichen.



Tag 18

Kommt auch noch... ;O)



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